Autor Leveret Pale

Heute steht eine kleine Premiere an, auf die ich schon lange warte und über die ich mich sehr freue: ich kann euch heute endlich den ersten Mann der Runde vorstellen.
Leveret Pale ist Autor, gerade mal 19 Jahre jung und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, die seine Leser*innen in fremde und düstere Welten locken, oftmals philosophische Problemstellungen zum Thema haben und während des Lesens zwangsläufig zum Nachdenken anregen. Auch ich bin schon in den Genuss gekommen eines seiner Bücher zu lesen und habe bereits vor einigen Wochen „Das Erwachen des letzten Menschen“ rezensieren dürfen. Dieses erschien noch unter seinem Klarnamen Nikodem Skrobisz, unter dem ihr ebenfalls viele Bücher von ihm findet.
Was ihn und sein Leseverhalten neben der Tatsache, dass er ein unfassbar intelligenter Mensch ist, so besonders macht, könnt ihr hier in seinem Interview lesen. Die Links zu seiner Homepage und seinen Büchern füge ich euch ebenfalls ein.
Und nun, viel Spaß beim Lesen!

Leverets Antworten

Was macht Literatur mit dir, deinem Leben?

Literatur hat mein Leben geformt wie kaum etwas anderes. Ich habe mit drei angefangen zu lesen, mit vier Jahren die ersten Kurzgeschichten geschrieben und mit zehn das erste Buch verfasst. Das Lesen und Schreiben haben mich also von Anfang an begleitet. Ich denke sogar oft in literarischen Konzepten. Vor allem seitdem ich einige eigene Veröffentlichungen zustande gebracht habe, verschwimmt die Grenze der Wirklichkeit zur Literatur zunehmend. Allerdings lebe ich literarisch, nicht für die Literatur. Ich lasse mein Leben von der Literatur inspirieren und vice versa. Denn Literatur – vor allen so großartige biographische Werke wie die von Jack Kerouac – erinnert einen auch konsequent daran, dass das Leben Abenteuer für einen bereit hält, wenn man dafür mutig genug ist die eigene Konformzone zu verlassen. Ich studiere daher auch nicht Literatur oder Germanistik, sondern Kommunikationswissenschaften und Psychologie.

Was macht das Lesen für dich so besonders?

Das Lesen von Büchern ist neben dem Gespräch die beste Möglichkeit in die Gedanken eines anderen Menschen einzutauchen – und im Gegensatz zum Gespräch, kann man es in aller Ruhe und Sorgfalt machen und dadurch die Gedanken präzise und umfangreich nachvollziehen. Selbst wenn man eine Virtual Reality Brille anzieht und die komplexesten virtuellen Welten besucht oder sich einen Film ansieht, bleibt das immer nur eine egozentrische Selbstwahrnehmung. Wenn man aber ein Buch liest, so erfährt man die Gedanken des Autors, kann sich darin hineinversetzen und geistig seinen Horizont erweitern. Das verbessert nicht nur die Empathie, es bildet auch. Wer wissen will, was die Welt im Inneren zusammenhält, muss viel lesen, vor allem die großen Denker. Ich kann nicht mit Carl Jung, Friedrich Nietzsche, Hunter S .Thompson oder Edward Bernays sprechen, aber ich kann trotzdem ihre Gedanken im Detail durch ihre Bücher nachvollziehen. Darüber hinaus ist Lesen auch die schönste Art ab und zu dem Alltag in fiktive Welten zu entfliehen.

Welches ist dein absolutes Lieblingsbuch?

Es gibt mehrere Bücher, die diese Bezeichnung verdienen, aber soll ich eins nennen, so muss die Wahl wohl auf Friedrich Nietzsches ‚Also sprach Zarathustra‘ fallen. Seitdem ich vierzehn bin, lese ich dieses Buch immer wieder und wieder, und doch erschließen sich mir bis heute dabei jedes Mal neue Perspektiven und Erkenntnisse.

Dein Lieblingsbuch in der letzten Zeit war?

Ich las vor kurzem Bret Easton Ellis Roman „Lunar Park“, weil ein Leser meinte, das Buch wäre den Geschichten, die ich schreibe, sehr ähnlich und würde mir gefallen – und das Buch hat tatsächlich meinen literarischen Geschmacksnerv getroffen.

Noch begeisterter bin ich zurzeit aber von den Büchern des chinesischen Science-Fiction Autors Cixin Liu, dessen Werk zurzeit Stück für Stück ins Deutsche übersetzt wird, und bei dem abzusehen ist, dass er die Welt noch eine Weile mit seinem literarischen Genie bereichern wird.

In welchem Genre fühlst du dich am wohlsten?

Sowohl beim Schreiben, als auch beim Lesen, mag ich alles Wissenschaftliche und Philosophische, und was die Belletristik angeht, vor allem Science-Fiction, Philosophische Romane, Horror, Drogenliteratur und Autofiktion. Ich lese aber auch viele Fachbücher und Klassiker, und in meinen eigenen Büchern experimentiere ich gern mit ungewöhnlichen Genrekombinationen herum. So ist zum Beispiel mein letzter veröffentlichter Roman „Der Apfelsmoothie der Erkenntnis“ ein metafiktionaler Thriller. Der Protagonist darin weiß, dass er ein Charakter in einem Buch ist und versucht eine Revolution gegen den Autor und die Leser anzufachen. Der Plot führt ihn dabei durch ein Multiversum verschiedenster Welten von Science-Fiction bis High Fantasy.

Gibt es ein Buch aus deiner Kindheit, an das du dich besonders erinnerst?

Robinson Cruseo von Daniel Defoe. Es war eins der letzten Bücher, dass mir meine Mutter vorlas und zugleich eins der ersten, die selber las. Das Buch ist ja etwas brutal stellenweise, weshalb es meine Mutter mir nicht zu Ende vorlesen wollte – aber ich war bereits als vierjähriger sehr eigenwillig und nahm das einfach dann selbst in die Hand.

Hand auf’s Herz, Klassiker: aus gutem Grund Klassiker oder total überbewertet?

Die meisten Klassiker sind aus gutem Grund Klassiker. Wenn ein Buch lange überlebt, gibt es Ursachen, warum es die Selektionsprozesse der kulturellen Evolution überstanden hat. Oft finden sich darin zeitlose Weisheiten und Archetypen, die bis heute gültig sind und so allumfassend selten in der Literatur zu finden sind. Ich persönlich liebe vor allem die großen russischen Klassiker von Tolstoi, Dostojewski und Solschenizyn, und die französischen, allen voran die Bücher von Camus und Sartre, und bei den englischsprachigen Autoren Dick, Burroughs, Orwell, Huxley, Wilde und Kerouac. Auch deutlich ältere Schriften, wie Shakespeares Dramen, Miltons ‚Paradise Lost‘, ‚Die Kunst des Krieges‘, Senecas Texte, die Bibel, den Koran, den Talmud und die griechischen und römischen Mythen, lese ich selber immer wieder gern, auch um zu verstehen, was die Kulturen der Welt geformt hat.

Nach welchem Prinzip ordnest du deine Bücherregale?

Nach Thematik. Eine Spalte für Psychologische Literatur, eine für die Beatniks, mehrere jeweils für Philosophie, Drogenliteratur und Science Fiction und so weiter. Leider bin ich vor kurzem zum Studium umgezogen, weshalb ich jetzt nur noch ein einziges Bücherregal habe mit meinen Lieblingsbüchern und die meisten Bücher in meinem Elternhaus geblieben sind.

Was verleitet dich bei einem Buch am ehesten zum zugreifen? Titel, Autor, Cover, Klappentext oder ganz was anderes?

Autor. Meist lese ich Bücher, weil ich das Thema darin oder die Autoren interessant finde. Daher lese ich kaum was von der aktuellen Literatur. Vollbehütete Menschen, wie sie heutzutage das Gros der Autorenschaft darstellen – oder noch schlimmer, sogenannte Literaten, die das Haus scheinbar nur fürs Germanistikstudium verlassen haben –  langweilen mich, denn ihre Texte handeln meist von unauthentischen Fantasien oder langweiligen Alltagsproblemen. Mich interessieren vielmehr die Gedanken und Geschichten von Leuten, die in einem Gulag saßen, in Kriegen kämpften, an der Nadel hingen, in der Weltpolitik mitmischten, bahnbrechende Entdeckungen in der Wissenschaft machten oder am besten alles davon.

Welche Bücher interessieren dich überhaupt nicht?

Die Langweiligen, also vor allem das, was als reine Unterhaltungsliteratur auf den Markt geworfen wird und meist intellektuell so stimulierend ist, wie die Drehbücher von RTL.

Liest du ein Buch nach dem anderen oder mehrere gleichzeitig?

Drei bis fünf parallel. In der Regel sind das zwei Fachbücher für die Uni, eins dieser gelben Reclamheftchen, weil das in die Manteltasche passt und im Bus im Stehen gelesen werden kann, und dann ein bis zwei Romane, die ich dann je nach Stimmung lese.

Was ist das Schönste für dich am Lesen?

In einer so schnellen und hektischen Welt wie der unseren, ist das Lesen eine der bequemsten Möglichkeiten einfach mal aus dem Karussell des Alltagswahnsinns auszusteigen, in eine fiktive Welt oder ein spannendes Erkenntniskonstrukt zu schlendern, und erfrischt und mit Glück auch etwas klüger wieder zurückzukommen.

Buch oder Hörbuch?

Wenn es geht, lese ich ein Buch. Hörbücher höre ich nur selten, wenn ich zum Beispiel die Wohnung putze, aber da bin ich mittlerweile auf Podcasts umgestiegen.Vor allem ‚Waking Up‚ des Neurowissenschaftlers und Philosophen Sam Harris gehört da zu meinen Favoriten.

Papier oder eBook?

Papier. Auf Bildschirme starre ich in der Uni, beim Schreiben und bei der Arbeit schon genug.

Woher bekommst du deine Inspiration?

Das Leben. Die Welt ist voll mit interessanten Menschen und Ereignissen, wenn man sich dafür öffnet. Ich verlasse sehr gern meine Konformzone und probiere neue Dinge aus, reise viel herum und spreche mit neuen Menschen, die komplett andere Erfahrungen und politischen Ansichten haben als ich, um neue Perspektiven auf das Leben zu gewinnen. Die Erfahrungen, die ich dabei mache, helfen mir nicht nur als Persönlichkeit zu wachsen ,sondern lassen sich auch oft großartig literarisch verarbeiten. Wenn ich Ideen für einen neuen Roman suche, begebe ich mich dafür meist auf Recherchereisen. So war ich zum Beispiel Sommer 2018 zwei Wochen zum ersten Mal in meinem Leben in Wien. Ich war allein, ohne in der Stadt jemanden davor zu kennen, aber ich setzte mich jeden Abend in eine Bar und ließ mir von allen möglichen Menschen ihre Lebensgeschichten erzählen. Darunter waren unter anderem Schauspielerinnen, Prostituierte, Wissenschaftler, Manager, Models, eine Transsexuelle und ein Opernsänger dabei. Als ich Wien dann nach zwei Wochen verließ, hatte ich nicht nur mein Bewusstsein um die Erfahrungen und Geschichten all dieser faszinierenden Menschen erweitert und Inspiration für meinen aktuellen Roman gefunden, sondern auch neue Freundschaften geschlossen. Allgemein scheue ich es selten Erfahrungen aufzusuchen, die mich mit neuen Perspektiven konfrontieren. Vor allem wenn es um Politik geht, habe ich mir Karl Poppers Lebensphilosophie des Kritischen Rationalismus zu eigen gemacht: „Ich mag unrecht haben und Du magst recht haben; und wenn wir uns bemühen, dann können wir zusammen vielleicht der Wahrheit etwas näher kommen.“

Hast du spezielle Macken wenn es um Bücher oder das Lesen geht?

Manchmal laufe ich beim Lesen im Kreis durch meine Wohnung, weil das die Durchblutung anregt und ich dann besser über das Gelesene nachdenken kann. Eine Zeit lang habe ich beim Lesen auch gern eine Pfeife geraucht, aber das mache ich mittlerweile kaum noch.

Jetzt mal ganz ehrlich: Hast du schon mal ein Buch nach seinem Einband beurteilt?

Klar. Wie viel Geld und Gedanken ein Verlag in den Einband investiert, ist zwar nicht immer, aber oft genug, ein guter Hinweis darauf wie viel er auch in den Inhalt investiert hat.

Dein absoluter Geheimtipp in Bezug auf Bücher, ist…:

Wer gute Bücher sucht, der sollte sich nicht auf die Bestsellerliste oder Amazons Algorithmus verlassen. Die besten Buchtipps geben Menschen, die viel lesen: Buchhändler, Autoren, Professoren usw.

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4 Kommentare zu „Autor Leveret Pale

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