Scharnow – Bela B Felsenheimer

Was soll ich sagen? Monatelang habe ich auf dieses Buch gewartet, immer mit der Frage im Hinterkopf „Kann das gut gehen?“
Kurz bevor das Buch erschien habe ich mir viele Rezensionen in den großen Tageszeitungen durchgelesen und Fernsehinterviews mit Bela B angeschaut, und wurde immer verunsicherter, was das Buch wohl kann und ob ich es mögen würde.
Letzte Woche war es dann endlich so weit und „Scharnow“ erschien. Ich habe es an zwei Abenden durchgesuchtet und frage mich immer noch, was genau ich da eigentlich gelesen habe.

Klappentext
In Scharnow, einem Dorf nördlich von Berlin, ist der Hund begraben. Scheinbar. Tatsächlich wird hier gerade die Welt gewendet: Schützen liegen auf der Lauer, um die Agenten einer Universalmacht zu vernichten, mordlustige Bücher richten blutige Verheerung an, und mittendrin hat ein Pakt der Glücklichen plötzlich kein Bier mehr.
Wenn sich dann ein syrischer Praktikant für ein Mangamädchen stark macht, ist auch die Liebe nicht weit.
Bela B Felsenheimer entfesselt in der deutschen Provinz einen wilden Tornado der Ereignisse, der sich in die ganze Welt auszubreiten droht.


Ich traue mich fast gar nicht diese Rezension zu schreiben. Zum einen, weil mich das Buch sehr verwirrt hat. Zum anderen, weil schon im Prolog ein Literaturblogger von einem Buch für dessen schlechte Rezension umgebracht wird. 😉

„Scharnow“ bietet all das, was ich erwartet habe und ist dann doch ganz anders als angenommen.
Entgegen meinen Erwartungen gibt es keinen ‚Hau-drauf-Humor‘, sondern viele subtile und ulkige Passagen, die mich dann aber doch dazu brachten laut zu lachen.
Die Charaktere wirken nur auf den ersten Blick platt, sind jedoch äußerst differenziert und vielschichtig und haben alle etwas, was sie so besonders macht und die Leser*innen überrascht. Die vielen internen Widersprüche die alle Charaktere haben, und das sind verdammt viele, nimmt Bela B geschickt auf und macht sie zum Teil der Handlung. Dabei wirken diese Widersprüche nicht als Kritik und ihre Darstellung durch den Autor auch nicht überheblich, sondern zeigen einzig und allein, dass kein Mensch das ist was er vorzugeben scheint, uns jeder überraschen kann und das erst recht niemand perfekt ist.
Auch sprachlich merkt man mit jedem neuen Kapitel, dass Bela B sich weiterentwickelt. Das Buch ist keine hohe Literatur, stellt aber auch nicht den Anspruch daran es zu sein. Mit fortschreitender Seitenzahl werden die Sätze nicht nur länger, sondern auch besser und man findet einige Perlen.

Zum Inhalt möchte und werde ich an dieser Stelle nicht viel sagen, da es zu viel vorweg nehmen würde. Nur so viel sei gesagt: wir erleben ein Kapitel aus der Sicht eines Kreuzworträtselheftes, zwei schwule Eichhörnchen, die Schwester des Hundes von Barack Obama, einen Supermarktüberfall von vier betrunkenen und mit Küchenutensilien bewaffneten Nackten und einen Gülliardär.
Was aber der scheinbar abstruse Inhalt schafft, ist viele unterschiedliche Themen anzusprechen, aufzuzeigen und zu kritisieren. Egal ob es sich um toxischen Maskulinismus, die Pegida-Aufmärsche, die AfD oder unseren Umgang mit dem Phantastischen in unserem Alltag handelt, all diese Themen schaffen es ins Buch.
An dieser Stelle übrigens einmal Chapeau an den Autor: trotz der unfassbar vielen Charaktere und Handlungsstränge hat man an keiner Stelle des Buches das Gefühl, dass man sich in der Handlung verliert oder etwas aus dem Ruder läuft. Ganz im Gegenteil hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass Bela B wirklich versteht was er ausdrücken möchte, und so verwirrt man stellenweise auch sein mag, so laufen am Ende alle Fäden nicht nur reibungslos ineinander, sondern bilden ein fantastisches Ende.

Auch nach dem Schreiben dieser Rezension weiß ich immer noch nicht, was genau ich da eigentlich gelesen habe. Eines ist jedoch klar: ich freue mich darauf, hoffentlich irgendwann mehr von den Bewohnern aus Scharnow zu lesen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Heyne Hardcore für das Rezensionsexemplar.

„Scharnow“ – Bela B Felsenheimer
414 Seiten, Hardcover
Heyne Hardcore
20€, ISBN 978-3-453-27136-4

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Ein Kommentar zu „Scharnow – Bela B Felsenheimer

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