Lesezeichen – notwendiges Muss oder überbewertetes Sammlerstück?

Ich gebe zu, es gibt sie auch bei mir: eine Kiste mit Lesezeichen. Darin befinden sich unzählige Variationen, von Lesezeichen mit Motiven aus Büchern und Serien, die ich liebe, Lesezeichen mit Lesebändchen und ohne, magnetische zum clippen, aus Stoff, Papier und Metall, selbst gekauft, geschenkt bekommen und selbst gebastelt. Wie viele es genau sind, darüber habe ich den Überblick verloren. Und dennoch sind es selten die schönen Lesezeichen die den Weg ins Buch finden, sondern Kassenzettel, Bonbonpapiere, Einkaufszettel oder was sich eben so in den Hosentaschen findet.

Ist das Lesezeichen also überflüssig?

Und wieso sammelt man doch immer mehr von diesen bunten Papierstreifen, die es in jedem Buchladen zu kaufen gibt, die ganze Existenzen von Etsy-Shop-Besitzer*innen sichern und die sich so wunderbar verschenken lassen?

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich liebe den Moment, in dem man vor seinem Bücherregal steht, die einzelnen Reihen mit den Augen entlang streift auf der Suche nach der nächsten Lektüre, auf die man sich voll und ganz einlassen möchte und der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Diese Auswahlzeremonie kann je nach Größe des eigenen Bücherregals und der Anzahl an ungelesenen Büchern darin mehrere Minuten dauern und entspricht, zumindest meinem Empfinden nach, mehr einer Auswahlzeremonie als einem hektischen Greifen nach dem nächsten Buch.

Und zu dieser Zeremonie gehört für mich auch die Suche nach dem zum Buch passenden Lesezeichen.

In unserem so hektischen und manchmal stressigen Alltag stellt das Lesen den gegensätzlichen Ruhepol dar, das Hobby, das wir brauchen, um den Kopf nicht zu verlieren. Ich liebe es vor meinem Regal zu stehen und mich komplett in der Welt der Bücher zu verlieren, aber sind wir mal ehrlich: Wir schaffen es nicht immer, uns diese Zeit zu nehmen und sind nicht immer so entspannen dabei.
Das ich mir noch einen Augenblick mehr Zeit nehme, um anschließend auch noch nach einem Lesezeichen zu suchen, das mir gefällt, ist eben auch ein Augenblick der Entspannung mehr, den ich mir im Alltag frei schaufle und ein Moment mehr, um den Beginn des Feierabends zu genießen, der beginnt, sobald ich es mir mit dem auserwählten Buch und einer Tasse Tee gemütlich gemacht habe.

Aus genau diesen Gründen genieße ich es so sehr, diese große Auswahl zu haben.

Dazu kommt das erinnern an Welten, in denen ich bereits schwelgen durfte und die mir ein kurzzeitiges Zuhause boten. Ich sehe mein Newt Scamander Lesezeichen und schmunzle direkt beim Gedanken an die Harry Potter Welt, Hogwarts und die Fantastischen Tierwesen Filme. Ich sehe die „I am sherLOCKED“ Postkarte und habe sofort die Titelmelodie der Sherlockserie im Kopf und meine Erinnerung, wie ich damals am schwarzen Brett der Uni die gesammelten Sherlock Holmes Werke entdeckt und nur wenige Stunden später der netten Studentin abgekauft habe. Ich spüre sofort wieder die Aufregung die mich immer überkommt, wenn ich den Hobbit lese oder die Herr der Ringe Filme sehe, allein beim Anblick meines Tolkien Lesezeichens. Ich habe so viele liebe Freunde, die mich alle schon mit den unterschiedlichsten Schweinchen-Lesezeichen bedacht haben, weil sie wissen, dass sowohl Bücher als auch Schweine mein Herz in Verzückung versetzen.

Sollte man aufhören all diese Erinnerungen regelmäßig wieder aufleben zu lassen, nur weil man weiß, dass man nie mehr als ein Lesezeichen pro Buch nutzen kann? Selbst wenn man wie ich mehrere Bücher zeitgleich liest, kommen effektiv nur wenige Lesezeichen zeitgleich zum Einsatz.

Und doch sollte man meiner Meinung nach nie aufhören sie zu nutzen.

Dein ein schönes Lesezeichen setzt, im Gegensatz zum zerknüllten Kassenbon, ein Zeichen, dass nun die Pause vom Alltag beginnt, die Auszeit, die wir uns verdient haben und das die Reise in eine neue Welt nun beginnen kann. Daher hört nie auf sie zu sammeln, zu kaufen, zu basteln und zu verschenken. Sie können einem Menschen so viel Freude bereiten und das trotz ihrer kleinen Größe.

Erzählt doch mal, wie ist es bei euch? Seid ihr ebenso lesezeichen-fanatiker wie ich oder findet ihr sie überbewertet?
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3 Kommentare zu „Lesezeichen – notwendiges Muss oder überbewertetes Sammlerstück?

  1. „Diese Auswahlzeremonie kann je nach Größe des eigenen Bücherregals und der Anzahl an ungelesenen Büchern darin mehrere Minuten dauern (…)

    Bei mir als bekennendem Entscheidungsneurotiker kann dieser Vorgang noch erheblich länger dauern. Manchmal ist, wenn ich mich dann endlich entschieden habe, der Leseabend so weit fortgeschritten, dass ich mich gleich schlafen legen kann … 🙂

    Was Lesezeichen angeht: Besonders die selbstgebastelten quadratischen, die man mir vor einiger Zeit geschenkt hat und die auch dann im Buch bleiben, wenn man es umdreht, öffnet, schnell durch die Seiten blättert, schüttelt oder was auch immer, besonders diese weiß ich zu schätzen. 🙂

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  2. Dicke, knubbelige Lesezeichen mag ich nicht, auch keine aus Metall. Am liebsten sind mir per Zufall in die Hände gekommene Postkarten. Ansichtskarten eher nicht, lieber welche mit Kunstwerken drauf, Picassos blaue Phase – oder so.
    Gruß von Sonja

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