Lesechallenges – Fluch oder Segen?

Pinterest und Bookstagram sind voll davon: Templates, Sheets und Listen zum ausdrucken, teilen und abhaken. Darauf notiert sind Bücher die man gelesen haben sollte, unbedingt noch lesen muss, thematische Listen, Aufgaben für das Jahr oder den Monat und wie viele Bücher man zu lesen schaffen sollte.

So wunderschön all diese Listen oftmals auch aussehen und so inspirierend sie auch sein können stellt sich mir immer wieder die Frage, ob diese Vorsätze und Challenges wirklich motivierend sind oder einem nicht doch eher die Motivation rauben.

Denn diese Listen und Challenges suggerieren einem doch, dass man nur ein „gutes“ und „erfolgreiches“ Mitglied der Buchcommunity ist, wenn man es schafft eine bestimmte Anzahl an Büchern zu lesen und dabei nur bestimmte Werke wählt. Dabei geht es beim Lesen doch überhaupt nicht darum möglichst „gut“ und „erfolgreich“ zu sein, sondern um den Spaß. Oder habe ich da was falsch verstanden? Und wer legt überhaupt fest, was „gut“ und „erfolgreich“ in Bezug auf das Lesen bedeutet?

Natürlich kennen wir alle Phasen, in denen wir trotz eines vollen Bücherregals nicht wissen was wir als nächstes zur Hand nehmen wollen. In solchen Momenten können die Challenges eine Inspiration sein. Auch Themenmonate mit einer Liste an Büchern die in einer bestimmten Gruppe besprochen werden können eine Hilfestellung sein.

Aber in den anderen Momenten?

Was passiert, wenn man anfängt eine dieser Listen und Vorsätze abzuarbeiten und nicht alles schafft, vielleicht noch nicht einmal im Ansatz? Was passiert, wenn man die Lesechallenge verfehlt, egal ob eine ausgesuchte oder eine selbst aufgesetzte? Wenn ich es weder schaffe quantitativ so viele Bücher zu lesen wie angedacht, noch die Bücher, die auf der Liste stehen?

Ich persönlich bin der Meinung, dass die Challenges und Sheets einen Druck aufbauen, der dem Lesen nicht zuträglich ist. Man muss keine bestimme Anzahl an Büchern im Jahr schaffen, um ein*e erfolgreiche*r Leser*in zu sein. Ebenso wenig muss man bestimmte Bücher lesen, nur weil sie als Klassiker gelten oder als der neue heiße Scheiß gehandelt werden Und erst recht soll man sich sein Hobby nicht von einer Liste auf Pinterest vermiesen lassen.

Du schaffst es nicht ein Buch pro Woche zu lesen, weil neben Büchern auch noch andere Hobbys, Freunde und die tolle neue Serie auf dich warten? Völlig okay! Du kannst die Monatschallenge nicht zu Ende bringen, weil das Projekt auf Arbeit zu viel Konzentration und Kraft erfordert? Total nachvollziehbar! Du hast von der Longlist der Buchpreisnomminierten nicht ein einziges Buch gelesen? Egal! Von den „100 Klassikern die man in seinem Leben gelesen haben sollte“ kannst du nur eines abhaken, und das auch nur, weil es Pflichtlektüre in der Schule war? Geht völlig in Ordnung!

Lasst euch von dieses Listen, Challenges und Vorsätzen nicht verrückt machen. Es ist okay keine Klassiker zu lesen, es ist ebenso okay bei den Neuerscheinungen nicht uptodate zu sein und vor allem müsst ihr keine Mindestanzahl an Büchern im Jahr lesen. Lest was immer euch glücklich macht und lest nur so viel und so lange, wie ihr Spaß dran habt. Egal ob Neuerscheinungen, Backlist oder Klassiker, egal ob ein Buch pro Tag oder eines pro Jahr. Just read what the fuck you want.

Und wenn ihr Spaß an Challenges habt, dann lasst euch von Menschen wie mir nicht die Freude daran vermiesen! Denn letzten Endes geht es beim Lesen, wie bei allen anderen Hobbys auch, doch nur darum glücklich zu sein.

Ein Kommentar zu „Lesechallenges – Fluch oder Segen?

  1. Ich mache aktuell 2 Challenges mit, weil ich die Person, die es organisiert, inzwischen sehr gerne mag. Die 20für20 mache ich, damit mir (vielleicht) die Entscheidung unter den knapp 300 Büchern, die gelesen werden wollen, einfacher fällt. Ob diese erfülle? Keine Ahnung. Ist es mir wichtig? Nein! Ich sehe das wie du und stimme deinem Beitrag vollkommen zu. Im vergangenen Jahr habe ich keine einzige Challenge gemeistert, an der ich teilnahm, aber dennoch schloss ich für mich mit einem guten Gefühl ab, denn ich habe dennoch tolle Bücher in dem Jahr gelesen, die mir vielleicht, hätte ich darauf bestanden, den „Aufgaben“ nachzukommen, gar nicht gelesen hätte.

    Man sollte so viel lesen und das lesen was man möchte. Da bin ich voll bei dir. 🙂

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