Der Report der Magd – Graphic Novel von Renée Nault

Es gibt so Tage, an denen ich grundsätzlich große Lust habe meine Nase in ein Buch zu stecken, an denen mein Gehirn aber vom Tag schon so voll ist, dass ich mich schwer auf die Geschichte konzentrieren kann. An solchen Tagen greife ich gerne zu Graphic Noveln, weil sie es einem leichter ermöglichen in eine literarische Welt einzutauchen. Kurze und prägnante Sätze in Kombination mit fabelhaften Illustrationen sprechen zumindest mein Gehirn noch einmal ganz anders an als Romane und eignen sich perfekt dafür, abends abschalten zu können.

Anfang des Jahres habe ich Margaret Atwood für mich entdeckt. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön an Lisa für den Arschtritt. Ohne deine Zuhilfe hätte es vermutlich noch ein paar Jahre gebraucht, bis ich zu ihr gefunden hätte. Der Report der Magd habe ich zusammen mit zwei wunderbaren und klugen Frauen gelesen und analysiert und war so begeistert, dass das Buch sofort in meine persönliche Top Ten Listen gewandert ist. Nun zog es mich zur Graphic Novel des Buches, und die beschäftigte mich doch länger, als vorab vermutet.

Klappentext
Desfred ist Magd in Gilead, wo Frauen weder Beruf noch Freundschaften haben, ja nicht einmal lesen dürfen. Sie dient im Haus des Kommandanten. Dort hat sie nur eine Daseinsberechtigung: Einmal im Monat muss sie sich auf den Rücken legen und beten, dass der Kommandant sie schwängert. Denn der Wert Desfreds und der anderen Mägde besteht allein darin, dass sie fruchtbar sind. Aber Desfred hat die Zeiten vor Gilead erlebt, als sie eine unabhängige Frau war…
Margaret Atwood selbst hat den Text für die Graphic Novel bearbeitet- und ihr Klassiker gewinnt durch die Verdichtung sowie die kongenialen Zeichnungen Renée Naults eine ganz eigene Dringlichkeit und Intensität.

Mit 240 Seiten und seinem großen Format bietet die Graphic Novel mehr Stoff, als so mancher Roman, und sorgte alleine deshalb dafür, dass ich es nicht in einem Rutsch lesen konnte. Zudem hat auch das englische Original mit 320 Seiten nicht wesentlich mehr Umfang als dieses Buch.

Dennoch, oder gerade weil es eines der Hauptcharakteristika einer Graphic Novel ist, ist der Text im Vergleich zur Romanvorlage arg eingekürzt. Wie oben bereits geschrieben hat Atwood selbst daran mitgewirkt und die für sie persönlich wichtigsten Stellen heraus gearbeitet und aufbereitet. Das gelingt ihr, meinem Empfinden nach, im Großen und Ganzen sehr gut. Die Handlung ist nachvollziehbar und trotz der knappen Texte schafft sie es, dass die Stimmung und Handlung ebenso eindringlich, bedrückend und beängstigend sind wie im Roman. Dennoch gibt es einige Passagen, die mir persönlich fehlen, die ich rein subjektiv gerne gesehen hätte, weil sie eine Funken Hoffnung in die Geschichte gebracht haben. Durch das Fehlen dieser Stellen wirkt die Graphic Novel die ganze Zeit über bedrückend. Wer die Romanvorlage kennt wird davon jedoch nicht überrascht sein, denn dieses Gefühl zieht sich durchgehend durch das gesamte Buch.

Das Artwork der Kanadierin Renée Nault arbeitet all die Punkte der Geschichte um Desfred und Gilead pointiert und detailliert heraus und unterstreicht die Atmosphäre, die Atwood aufbaut, nur noch mehr.

Ihre Bilder sind beeindruckend und düster, in den Rückblenden zur Zeit vor der Gründung Gileads dafür farbenfroh und fröhlich. Sie schafft es daher nicht nur, das Geschehen zu illustrieren, sondern ihm eine noch stärkere Eindringlichkeit zu verschaffen. Ich dachte nicht, dass das so eine Steigerung möglich wäre, aber Nault hat mich eines Besseren belehrt.

So habe ich das Buch direkt zwei mal hintereinander in der Hand gehabt. Beim ersten Mal habe ich die Graphic Novel gelesen und als Gesamtkonzept auf mich wirken lassen.
Beim zweiten Mal habe ich mich ausschließlich auf die Illustrationen konzentriert und mich auf die Nuancen der unterschiedlichen Phasen des Geschehens eingelassen. Und ich wurde an keiner Stelle enttäuscht.

Für alle Fans des Reports der Magd, egal ob Roman oder Verfilmung, ist diese Graphic Novel eine absolute Empfehlung und sollte in keinem Regal fehlen. Ich bin begeistert!

Bewertung: 4 von 5.

„Der Report der Magd“, Margarat Atwood
Artwork Renée Nault
übersetzt von Ebi Naumann
240 Seiten, Hardcover
Berlin Verlag
25,- €; ISBN 978-3-8270-1405-4


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